Kenntnisse in Bezug auf gewerbliche Schutzrechte sind für die Berufsvorbereitung von Studierenden und Hochschulabsolventen, aber auch für eine erfolgreiche Forschungstätigkeit, von großer Bedeutung.    

Der Schutz eigener Ideen ist für Existenzgründer/-innen aus der Hochschule besonders wichtig. Mit Erteilung eines Schutzrechtes (z.B. Patent, Marke, Gebrauchsmuster) erhält der Inhaber ein zeitlich begrenztes Recht zur alleinigen Herstellung, Anwendung und Vermarktung des „Schutzgegenstandes“. Außerdem haben Existenzgründer/-innen häufig – manchmal ohne es zu ahnen – mit gewerblichen Schutzrechten zu tun, bei deren Verletzung Abmahnungen und Prozesse die Folge sein können. Darüber hinaus werden in Unternehmen häufig Mitarbeiter/-innen benötigt, die über Wissen hinsichtlich Schutzrechtsarten, Verfahrensabläufe einer Patentanmeldung und –erteilung etc. verfügen.    

Zudem wurden neue gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen, um das Innovationspotential der Hochschulen zukünftig wirtschaftlich besser zu nutzen. Mit der Novellierung des Arbeitnehmererfindungsgesetzes eröffnen sich für innovative Hochschulangehörige nun weitere interessante Verdienstmöglichkeiten. Die Hochschule, der der Mitarbeiter seine Erfindung meldet, kann diese im eigenen Namen schutzrechtlich sichern und verwerten. Bei erfolgreicher Verwertung stehen dem Erfinder dann 30 % der Bruttoeinnahmen zu. Verzichtet die Hochschule auf eine Inanspruchnahme der Erfindung, kann der Erfinder diese selbst nutzen und z.B. eine eigene Existenzgründung vornehmen. Vor dem Verdienst müssen jedoch einige Vorarbeiten geleistet werden. So sind beispielsweise Neuheitsrecherchen zur Überprüfung der Erfindungsneuheit notwendig, die Klarheit über den „Stand der Technik“ und die derzeitig existierende Forschungslandschaft verschaffen.

Mit dem Ziel, durch innovative Maßnahmen eine verwertungsorientierte Patentkultur in der Region Bielefeld-Dortmund-Münster-Paderborn zu fördern, haben die Transferstellen der  Universität Bielefeld, der Universität Dortmund, der Universität Paderborn und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster die Patent Offensive Westfalen Ruhr (Kurz: POWeR) initiiert.

Durch  hochschulübergreifende Ideen-Workshops und weiteren  Qualifizierungsmaßnahmen sollen neue patentgeschützte Ideen und Gründungen entwickelt werden. Für Gründungsinteressierte aus den Partnerhochschulen besteht darüber hinaus die Möglichkeit, ihr Gründungsvorhaben auf "einer realen Teststrecke am Markt" zu durchlaufen: Kunden zu werben, Vertragsabschlüsse zu tätigen und Verkäufe in weitestgehender eigener Verantwortung durchzuführen, ohne zuvor eine eigene, kostenintensive GmbH zu gründen. Dazu wird für einen begrenzten Zeitraum ein so genanntes Profitcenter beim hochschulnahen Institut für Innovationstransfer an der Universität Bielefeld GmbH (kurz: IIT GmbH) eingerichtet. Im Rahmen dieser "Inkubatorphase" werden Gründer/innen bei der Marktanalyse, im Marketing und Vertrieb, bei Geschäftsplanerstellung, Versicherungen und im Rechnungswesen unterstützt. Gründer/innen können so unabhängig und selbstständig am Markt agieren. Gleichzeitig haben sie die Möglichkeit, die wissenschaftlichen Arbeitsbereiche und Ressourcen der Hochschule zu nutzen sowie auf das Know-how der Inkubator-GmbH  zurückzugreifen, zum Beispiel bei steuerlichen, personal-rechtlichen und  betriebswirtschaftlichen Fragestellungen.

Neben den Veranstaltungen, der Bereitstellung von Informationen und des Inkubator-Modells wurden im Projekt POWeR auch die Bücher „Modernes Patentbewusstsein in Hochschulen“ und "Verwertungsnetzwerke - Eine Perspektive für den Technologietransfer" herausgegeben.  (Dazu mehr ...)

 

 
Das Gemeinschaftsvorhaben der POWeR-Hochschulen wurde im Förderwettbewerb "Existenzgründungen aus der Wissenschaft (EXIST)" unter insgesamt 79 Projekten ausgewählt und wird nunmehr vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie unterstützt.