FH-News -
Neues aus der Fachhochschule Bielefeld, S. 6-10
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Bielefelder
Unternehmensschmiede -
Sprungbrett
für Hochschulabsolventen in die Selbständigkeit
Von Anette Traude
Die Hochschule als
Sprungbrett in die Selbständigkeit: Neuerdings können Studierende,
Absolventinnen und Absolventen der Fachhochschule (FH) und der Universität
Bielefeld ihre Selbständigkeit systematisch auf dem Campus vorbereiten -
praxisnah und studienbegleitend. Unter dem Dach der sogenannten
"Bielefelder Unternehmensschmiede" haben sie die Möglichkeit, sich für
eine freiberufliche Tätigkeit oder eine Unternehmensgründung zu qualifizieren,
das Wissen praxiserfahrener Expertinnen und Experten aus der Region zu nutzen
und einen konkreten Markttest für ihre Geschäftsidee durchzuführen. Das von
den Bielefelder Hochschulen initiierte Gemeinschaftsprojekt wurde im Juli 1999
durch das nordrhein-westfälische Ministerium für Schule, Weiterbildung,
Wissenschaft und Forschung (MSWWF) bewilligt und für anderthalb Jahre gefördert.
Der Hintergrund für die
Initiative: An den deutschen Hochschulen sind gegenwärtig etwa 1,8 Millionen
Studierende eingeschrieben. Von rund fünf Millionen Universitäts- und
Fachhochschulabsolventinnen und -absolventen auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind
etwa 60 Prozent in den Bereichen öffentliche Verwaltung sowie öffentliche und
private Dienstleistungen beschäftigt. Die private Wirtschaft scheint bisher für
sie kein attraktiver Schwerpunkt für die Karriereplanung zu sein. Trotz hoher
Wachstumsraten und bemerkenswerter Beschäftigungspotentiale in den
wissensbasierten Industrien und Dienstleistungsbereichen machen sich nur 15,5
Prozent der Akademikerinnen und Akademiker freiberuflich oder unternehmerisch
selbständig. Dabei bieten sich gerade Studierenden mit Abschluß, speziell aus
den Naturwissenschaften und dem Ingenieurwesen, gute Chancen für eine Selbständigkeit.
Seit einiger Zeit deutet sich eine Trendwende bei der Berufsplanung ab.
Wirtschaftliche Chancen
in OWL
Auf Landes- und Bundesebene
werden mittlerweile Anstrengungen unternommen, Hochschulabsolventinnen und
-absolventen mit innovativen Unternehmenskonzepten zu fördern. Vorbildhaft für
diese Aktivitäten sind die Erfolge amerikanischer Universitäten wie Stanford
mit einer Vielzahl von spin-offs (Ausgründungen aus dem Bereich Forschung und
Entwicklung an Hochschulen) in der Bay Area und dem weltbekannten Silicon
Valley. Gegenwärtig demonstrieren verschiedene Regionen an der West- und Ostküste
der USA, wie durch die Ansiedlung innovativer Unternehmen der Strukturwandel
beschleunigt, das Wirtschaftswachstum gefördert und neue Arbeitsplätze
geschaffen werden.
Ostwestfalen-Lippe (OWL)
stellt einen Wissenschafts- und Wirtschaftsraum dar, der durch mehrere
Hochschulen und eine große Branchenvielfalt mit einer Vielzahl kleiner und
mittelständischer Unternehmen geprägt wird. Nicht ohne Grund wird die Region
oft mit Baden-Württemberg verglichen, das als Bundesland einen idealen Nährboden
für die Ansiedlung neuartiger Unternehmen bietet. Nach wie vor besteht jedoch
in OWL ein erheblicher Bedarf an innovativen Unternehmen - Anbieter von
High-Tech-Produkten ebenso wie unternehmensorientierte Dienstleister. Die
Absolventinnen und Absolventen Bielefelder Hochschulen, die an bundesweit
anerkannten Forschungsschwerpunkten - beispielsweise in der Biotechnologie,
Informatik, Elektrotechnik, Maschinenbau - studiert haben, können als junge
Existenzgründerinnen und -gründer in Zusammenarbeit mit Industrie und
Wirtschaft, Vertretern der Kammern, Banken und Wirtschaftsförderungseinrichtungen
einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer positiven Wirtschaftsdynamik in
OWL leisten.
Diese Chance haben die
Hochschulen und Wirtschaftsfördereinrichtungen erkannt und konkrete Schritte
zur Bildung der "Bielefelder Unternehmensschmiede" eingeleitet. Unter
dem Dach dieses Gemeinschaftsprojektes treffen gründungsinteressierte
Studierende auf Gleichgesinnte, erhalten Zugang zu regionalen Experten, können
sich fortbilden und ihre Geschäftsideen realitätsnah am Markt testen.
Existenzgründung mit
Business-Plan
Eine Idee allein reicht für
die berufliche Selbständigmachung nicht aus. Das A und O jeder erfolgreichen
Unternehmensgründung ist ein tragfähiger Business-Plan. Er muß alle Faktoren
enthalten, die über Erfolg und Mißerfolg entscheiden und potentielle
Finanzgeber überzeugen. Doch wie erarbeitet man einen solchen Geschäftsplan?
Was ist ein erfolgreiches Marketingkonzept? Das existentielle Basiswissen wird
im Rahmen der "Bielefelder Unternehmensschmiede", speziell im
studienbegleitende Existenzgründertraining, vermittelt. Ein wichtiges Ziel ist
es, Gründungsinteressierte bei ihrem Sprung vom groben Geschäftkonzept zum überzeugenden
Business-Plan zu unterstützen. Das zweisemestrige, studienbegleitende Training
bündelt gründungsinteressierte Studierende und junge Hochschulabsolventinnen
und -absolventen aller Fachrichtungen. Es ist gekennzeichnet durch eine
praxisnahe Ausrichtung und besteht aus vier Schwerpunktbereichen: Workshops mit
Wirtschaftsexpertinnen und -experten, Treffen mit Jungunternehmerinnen und
-unternehmern, Assessment-Center-Simulationen, spezielle
Hochschulveranstaltungen, Firmenpraktika oder Unternehmensplanspiele. Die
Teilnahme ist freiwillig und kostenlos.
Das Existenzgründertraining
ist hochschulübergreifend konzipiert, interdisziplinär und wird
studienbegleitend für einen Zeitraum von zwei Semestern angeboten. Mit
Eintritt in das Trainingsprogramm muß jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer
Grundkenntnissse in ausgewählten Hochschulveranstaltungen zum Thema
Betriebswirtschaftslehre, Marketing, Finanzierung und Rechnungswesen erwerben.
Im wöchentlichen Wechsel werden "Meetings" mit Jungunternehmerinnen
und -unternehmern und ganztägige Workshops angeboten. Ein Austausch erfolgt
unter anderem durch eine koordinierte Einbindung in schon bestehende Angebote
der Wirtschaftsjunioren oder über Treffen mit heute selbständigen ehemaligen
Studierenden der Bielefelder Hochschulen.
Im Rahmen der Workshops
erarbeiten die Gründungsinteressierten ein erstes Unternehmenskonzept. Dabei übertragen
sie die vermittelten Fachkenntnisse auf die eigene Unternehmensgründung. Ein
wichtiges Ziel des Existenzgründertrainings ist es, einen durchdachten und überzeugenden
Business-Plan zu erstellen, der den Kriterien folgt, die von Kapitalgebern
angewendet werden. Die Themen orientierten sich an den Basiselementen eines
jeden Business-Plans wie Marktchancen, Marketingplanung, Kapitalbedarf,
Finanzierung, Personal oder Versicherungen. Die Workshop-Leitung übernehmen
Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region. Nach Absolvieren der Workshops
können Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre erworbenen Kenntnisse in
Assessment-Center-Simulationen testen - das kann beispielsweise die Präsentation
der eigenen Geschäftsidee vor potentiellen Finanziers bedeuten. Für spezielle
Fachfragen steht den Existenzgründerinnen und -gründern der diplomierte
Kaufmann und Betriebswirt Jürgen Kucharz, erster Unternehmensberater der
Universität Bielefeld, zur Verfügung.
Nach dem ersten Semester
absolvieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Intensivseminar zum Thema
"Erstellung eines Business-Plans". Ziel dieses Seminars ist es, den
Teilnehmenden noch einmal in komprimierter Form die Struktur eines Geschäftsplans
klarzumachen und - unter Anleitung von Fachexperten - an ihrem persönlichen
Geschäftsfeld beispielhaft einzuüben. In der vorlesungsfreien Zeit entscheiden
sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Existenzgründertrainings, wie sie
ihre Kenntnisse der Unternehmenspraxis vertiefen wollen: "virtuell"
anhand eines mehrwöchigen Unternehmensplanspiels oder "real" in einem
Praktikum als Assistent der Geschäftsführung eines kleinen Unternehmens. Die
Durchführung des Unternehmensplanspiels sowie die Bereitstellung von
Praktikumsplätzen wird unter anderem vom "Regionalnetzwerk für Beschäftigung"
der Bertelsmann Stiftung unterstützt.
Im zweiten Semester nehmen
die Gründungswilligen wiederum an Hochschulveranstaltungen, Workshops sowie an
Meetings mit Jungunternehmerinnen und -unternehmern teil. Am Ende des Existenzgründertrainings
werden die selbsterstellten Business-Pläne von einem ausgewählten
Expertenkreis begutachtet und bewertet - die besten werden öffentlich
ausgezeichnet. Zum Abschluß erhalten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein
"Gründerzertifikat" der "Bielefelder Unternehmensschmiede".
Unternehmensgründung im
Team
Existenzgründungen im Team
bieten klare Vorteile. Wer im Verbund gründet, kann die finanzielle Belastung
reduzieren, sich frühzeitig auf die eigenen Stärken konzentrieren und aus der
gemeinsamen Aufgabe immer wieder neue Motivation schöpfen. Dieser Schritt
erfordert jedoch die richtigen Geschäftspartnerinnen und -partner, eine gründliche
Vorbereitung und klare rechtlich Regelungen. Die "Bielefelder
Unternehmensschmiede" bündelt nicht nur Studierende verschiedenster
Fachrichtungen und Hochschulen, Hochschulabsolventinnen und -absolventen,
interessierte Unternehmerinnen und Unternehmer und Wirtschaftsförderinstitutionen
unterschiedlichster Couleur. Sie bildet auch eine Plattform, um Wissen und
Erfahrungen auszutauschen beziehungsweise die richtigen Geschäftspartner zu
finden. Eine Know-how-Austauschbörse und ein regionalweites Leitsystem zu
Wirtschaftsexpertinnen und -experten im Internet ergänzen das Angebot.
Marktanalyse zum
Echtstart
Eine besondere
Herausforderung für viele junge Unternehmen ist der Zugang zum Markt. Trotz
hoher Unsicherheit müssen technologieorientierte Betriebe oftmals schon vor
oder während der Gründungsphase hohe Investitionen tätigen. Um Verluste zu
vermeiden, bietet der sogenannte "Business-Incubator" in der IIT GmbH
(Institut für Innovationstransfer an der Universität Bielefeld) an, einen
zeitlich befristeten Markttest durchzuführen. Unter dem Dach der
"Bielefelder Unternehmensschmiede" angesiedelt, können Gründerinnen
und Gründer ihre Geschäftsideen innerhalb eines Profit-Centers der uninahen
GmbH betreiben. Hier kann man oder frau sich auf den Verkauf und die marktnahe
Weiterentwicklung des Produktes oder der Dienstleistung konzentrieren. Die IIT
GmbH unterstützt diese Verkaufstätigkeit in den Bereichen Rechnungswesen,
Marketing, Vertrieb und Versicherung. Der Start im "Business-Incubator"
ermöglicht es Gründungswilligen, das Marktpotential der individuellen Geschäftsidee
durch Verkaufstätigkeiten zu testen, bevor ein eigenes Unternehmen gegründet
wird. Zusätzlich verringert sich das finanzielle Risiko, weil zunächst Gründungskosten
und Investitionen erspart bleiben und Finanzierungsvorhaben begleitet werden.
Neuerdings wird auch eine
infrastrukturelle Unterstützung angeboten. Gründungsinteressierte aus der
Hochschule können den im Technologiezentrum
Bielefeld eingerichteten "Inkubator-Raum" mit den im Zentrum an
der Meisenstraße vorhandenen Infrastrukturen zeitlich befristet testen, so
erste Kundenkontakte schließen und die spätere Standortwahl ihres Unternehmens
sorgfältig vorbereiten.
Kontakt:
"Bielefelder
Unternehmensschmiede"
Ansprechpartnerin:
Diplom-Soziologin Anette Traude
in der Universität
Bielefeld, Raum U 10 - 141,
Postfach 10 01 31
33615 Bielefeld
Telefon: (05 21) 106 - 39
64
Telefax: (05 21) 106 - 29
86
eMail: anette.traude@uni-bielefeld.de
Internet: http://www.unternehmensschmiede.de
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STATEMENTS ZUR
"BIELEFELDER UNTERNEHMERSCHMIEDE"
Wolfgang Smode, Geschäftsführer
der städtischen WEGE mbH Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld:
"Unsere Erfahrungen
zeigen: Teamgründungen bieten klare Vorteile. Denn wer im Team gründet, kann
sich frühzeitig auf seine eigenen Stärken konzentrieren. Die ,Bielefelder
Unternehmerschmiede ist ein gutes Sprungbrett, um Know-how auszutauschen oder
den richtigen Teampartner zu finden."
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Michael Schütte, Sparkasse
Bielefeld:
"Wer sich beruflich
selbständig machen will, braucht eine zündende Geschäftsidee. Doch die Idee
allein reicht nicht aus. Die Basis jeder erfolgreichen Unternehmensgründung ist
ein tragfähiger Businessplan, zu dem auch ein entsprechendes
Finanzierungskonzept gehört. Genau hier setzen die Workshops der ,Bielefelder
Unternehmerschmiede‘ an."
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Lutz Glandt, Präsident des
Marketing-Clubs Bielefeld, Geschäftsführer der Neuen Westfälischen:
"Das Vorhaben, die
,Bielefelder Unternehmerschmiede‘ als Leitstelle zwischen Wissenschaft und
Praxis zu entwickeln, ist begrüßenswert. So kann theoretisches Wissen mit
praktischen Erkenntnissen dazu führen, dass die jungen Firmengründer ihr Geschäft
erfolgreich starten und von vornherein Fehler vermeiden, die möglicherweise die
Firmenexistenz gefährden.
Es ist häufig zu
beobachten, dass das Produkt in Ordnung ist, die Finanzierung gesichert ist,
aber vergessen wird, die richtigen Marketingansätze zu wählen. Insofern ist es
besonders erfreulich, dass die zweisemestrigen Existenzgründertrainings großen
Wert auf Marketingstrategien, -planung und -techniken legen. Gerade in Bielefeld
hat sich eine hohe Kompetenz für Marketing sowohl in der Wissenschaft als auch
in den Unternehmen angesiedelt. Diese zu nutzen kann nur gut sein."
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Dr. Gerd Wixforth,
Koordinator des Netzwerkes Ostwestfalen der Bertelsmann Stiftung:
"In einem jungen
Unternehmen ist unternehmerische Weitsicht gefragt: Netzwerke aufbauen, Kontakte
knüpfen, Erfahrungen mit anderen Jungunternehmern austauschen, aber auch Aufträge
einwerben. Die ,Meetings‘ der ,Bielefelder Unternehmerschmiede‘ legen hier
den entscheidenden Grundstein."
Professor h.c. Helmut
Steiner, Geschäftsführer der Universitätsgesellschaft, Sparkassendirektor
i.R.:
"Ich halte das
studienbegleitende Existenzgründertraining für eine hervorragende Einrichtung,
weil damit die Bielefelder Hochschulen eine gute Basis für künftige Existenzgründer
schaffen. Die Startvoraussetzungen werden verbessert und damit wird der Schritt
in die Selbständigkeit sicherer gemacht."
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Ortwin Goldbeck,
Hauptgesellschafter und Geschäftsführer der GOLDBECK GmbH:
"Bildung und Kreativität
nützen niemandem, wenn sie nicht unternehmerisch in Dienstleistung und Produkte
umgesetzt werden."
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Monika Kammeier, Mitglied
des Landesvorstandes Nordrhein-Westfalen der Wirtschaftsjunioren, Ressort
Existenzgründung und -sicherung, Gesellschafterin der sks GmbH:
"Wir müssen aus den
Erfahrungen anderer lernen; denn wir leben nicht lange genug, um alle Fehler
selber zu machen."
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Harald Grefe, Geschäftsführer
der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld:
"Wir sind
hoffnungsfroh, daß über die ,Bielefelder Unternehmerschmiede‘ vermehrt
Unternehmensgründungen aus den Hochschulen stattfinden. Wir freuen uns, wenn
diese Saat aufgeht und entsprechende Früchte in Ostwestfalen trägt.
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Herbert Sommer, Geschäftsführender
Gesellschafter der Sommer Fahrzeugbau GmbH & Co. KG: