Neue
Westfälische, Nr. 137
15.06.2000
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Risikokapital
für "sexy Idee"
Innovative
Unternehmen sind auf Geldgeber angewiesen / Zahl der Beteiligungen steigt
Von Andrea Frühauf
Bielfeld. Innovative
Unternehmen stehen hoch im Kurs. Ständig gehen neue Internet-, Hightech- oder
Biotechnologiefirmen an die Börse. "Innovative Firmen sind eine wichtige
Grundlage für erfolgreiche wirtschaftliche Regionen", sagt Thomas Niehoff,
stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer
Ostwestfalen zu Bielefeld. WDR-Redakteur Hagen Beinhart äußerte sich
kritischer: "Die New Economy hat alle Dämme gebrochen."
Beinhart spiet an die
gewaltigen Kapitalströme an, die der Neue Markt in Bewegung setzt. Gerade
Biotech-Firmen brachen viel Kapital. Aber woher das Geld nehmen? Banken haben
oft wenig Verständnis für Unternehmen, deren einzige Sicherheit die Ideen der
Zukunft sind. Dabei ist "Venture Capital", wie Insider das
Risikokapital nennen, reichlich vorhanden. IHK,
Wirtschaftsentwicklungsgesellschaften (WEGE), die
"Unternehmensschmiede" der Uni Bielefeld und "win", eine
Tochter der Düsseldorfer Börse, veranstalteten einen "Venture Capital Tag
Ostwestfalen", um unter der Moderation von Beinhart über Waginskapital zu
informieren. "Venture Capital", das Kreditwirtschaft, kommerzielle
Beteiligungsgesellschaften oder Konzerne (DaimlerChrysler, Bayer Innovation,
Novartis, Gerling) geben, bekommen nicht "normale Existenzgründer",
sondern vielmehr Unternehmen, die an der Spitze des Fortschritts stehen und ein
schnelles Wachstum versprechen, so Dirk Elbersbach, Geschäftsführer von "win
Wagniskapital für Innovationen NRW". Der Charme dieses Kapitals liege
darin, dass es als Eigenkapital nicht zu verzinsen ist. Investoren kaufen
Unternehmensanteil und erhalten dafür eine Rendite, die aus dem Wertzuwachs der
Firma bezahlt wird. "Venture Capital Investitionen" steigen rasant.
Sie haben sich in fünf Jahren in Deutschland verfünffacht (1999: 5,2
Milliarden Mark). 5.000 Beteiligungen werde es in diesem Jahr geben, prophezeit
Elbersbach.
Win gibt nur beratend
Hilfe. Von 3.000 Anfragen (1998) wurden nur 700 Konzepte analysiert. Um
Investoren zu überzeugen, reiche eine "sexy Idee", die sich von
Wettbewerben unterscheidet, nicht aus, so Wolfgang Lubert, Geschäftsführer von
enjoy-venture Management. Auch die persönliche Note sei entscheidend. Seine
Anforderungen: ein kurzer, knackiger Businessplan, der einleitend knapp erklärt,
worum es geht, der Marktchancen, Defizite, Kundennutzung und Vita der Schlüsselpersonen
aufzeigt. "Jeder sollte, ehe er einen Businessplan abschickt, vorher
Kontakt aufnehmen", rät er.
Auch die Tochter der WestLB, die "S-Chancen-Kapital-Fonds NRW GmbH", hilft innovativen NRW-Unternehmen. Vor der Akquisition nimmt sie eine "Due Dilligence-Prüfung" vor, analysiert Firmen auch hinsichtlich Umwelt- und Steueraspekten.