Neue
Westfälische
29.08.2000
![]()
Bielefeld
als europäischer Leuchtturm
Die
Unternehmensschmiede der Universität dient Hochschulen in Paris und Valencia
als Vorbild
Von Conrad Schormann
Bielefeld. Junge
Wissenschaftler, die sich mit ihren Ideen und Entwicklungen selbständig machen
wollen, haben es in Bielefeld leichter als anderswo. Dafür sorgt die
"Unternehmensschmiede", von der Ostwestfalen als Wirtschaftsstandort
und nicht zuletzt der heimische Arbeitsmarkt profitieren. Das Bielefelder Modell
wird jetzt auf Hochschulen in Paris und Valencia übertragen.
Junge Ingenieure,
Informatiker oder andere haben eine Menge Fachwissen, mit dem sich Geld
verdienen läßt, dafür verstehen sie in der Regel wenig von Betriebswirtschaft
und Marketing. Vor diesem Hintergrund wurde Mitte der 90-er Jahre an der
Universität ein Modell entwickelt, mit dem es junge Wissenschaftler leichter
haben, ihre Geschäftsidee am Markt zu plazieren. Bevor es ernst wird, können
sie ihre Konzepte unter dem Dach einer eigens dafür gegründeten GmbH am Markt
testen und sich auf die Selbständigkeit vorbereiten*. Im
"Inkubatorraum" des Bielefelder Technologiezentrums stehen Büroräume
zur Verfügung, die die frischgebackenen Unternehmer nutzen können. "Damit
schließen wir die Brücke zwischen Wirtschaft und Universität", sagt
Burckhard Kaddatz, Transferbeauftragter der Bielefelder Uni.
Das Konzept funktioniert:
Von 1997 bis 2000 arbeiteten 77 potenzielle Gründer in 41 Profitcentern. Bis
heute sind daraus 14 junge Unternehmen entstanden, und neun Gründungen sind in
Vorbereitung. An den begleitenden Seminaren - eine weitere Säule des
Bielefelder Modells - haben bislang 1.244 Studierende teilgenommen.
Jetzt dient die heimische
Pionierarbeit als europaweites Vorbild. Die EU ist auf der Suche nach dem besten
Konzept, Unternehmensgründer von Universitäten zu fördern. 72 Vorschläge
wurden begutachtet und schließlich das ostwestfälische Modell als
"Leuchtturmprojekt" auf Platz eins gesetzt. Weil das Kind einen Namen
braucht, haben es die Beteiligten "USINE" getauft: "University
start-up of International Entrepreneurs".
USINE, das an der Uni Bonn
koordiniert wird, kostet fast 2,5 Millionen Mark, von denen die EU die Hälfte
trägt, und ist auf 18 Monate angelegt. Das ist recht knapp kalkuliert. Und
darum trafen sich gestern - 20 Tage nach dem offiziellen Startschuss -
Beteiligte aus sechs Nationen an der Bielefelder Universität, um die
Einzelheiten zu besprechen.
In den kommenden 18 Monaten
werden an der "Ecole Polytechnique" in Paris und der "Universidad
Politecnica de Valencia" Vor-Gründerzentren geschaffen, die dem in
Bielefeld gleichen. Weiterhin beteiligt sind mit ihrem Know-how Partner aus
Israel und Großbritannien.
Zwar wird das ostwestfälische
Konzept europaweit transferiert, einen Verlust von Herrschaftswissen bedeute das
aber nicht, betonen die heimischen Beteiligten: "Schließlich geht es auch
darum, europaweit Kapitalgeber für unsere Start-up-Unternehmen zu finden."
Die Bedeutung des Projekts
für den heimischen Arbeitsmarkt verdeutlichte Gerd Wixforth (Bertelsmann
Stiftung), der die ostwestfälische Beschäftigungsinitiative koordiniert. Er hält
Unternehmensgründungen von Uni-Absolventen für enorm wichtig im Kampf gegen
Arbeitslosigkeit.
Zurück zur Übersicht der Presseberichte
* Anmerkung vom Projektteam:
Es handelt sich bei der genannten GmbH um das "Institut für Innovationstransfer GmbH an der Universität Bielefeld"