Bielefelder Universitätszeitung, Nr. 203/2000, S. 44-45

24.11.2000

Interview der Bielefelder Unternehmensschmiede mit Matthias Keudel

Die Bielefelder Unternehmensschmiede veranstaltet mit ihrem Qualifizierungsangebot für gründungsinteressierte Studierende, Beschäftigte, Absolventinnen und Absolventen der Hochschulstandortes Bielefeld regelmäßig Seminare zum Thema Selbstständigkeit. In diesem Zusammenhang war kürzlich Matthias Keudel von Bertelsmann Valley mit einem Vortrag zu Gast in der Universität Bielefeld. Die junge Bertelsmanntochter mit Sitz in Hamburg bietet Startkapital für Existenzgründungen im Bereich Multimedia. Über die Chancen für Startups, die Voraussetzungen und Hintergründe äußert sich der Chief Operating Officer - zuständig für die kaufmännische Leitung des Projektes bei Bertelsmann Valley - im Interview mit Martina Bauer.

Frage: Seit wann gibt es Bertelsmann Valley? Warum wurde das Unternehmen gegründet?

Keudel: Das neue Unternehmen ist im November 1999 gestartet. Die Idee dahinter: Wir wollen Starthilfe leisten bei der Gründung eines eigenen Unternehmens und damit Zukunftsgeschäfte an die Bertelsmann Gruppe heranführen. 

Frage: Wie genau sieht Ihre Dienstleistung aus? Was bieten Sie Unternehmensgründerinnen und -gründern an?

Keudel: Wir bieten Verschiedenes. Zum einen die gesamte Startfinanzierung, zum zweiten als Inkubator Büroräume und Logistik direkt am Hamburger Hafen, am Wasser, und zum dritten das Know-how des Bertelsmann Valley Teams und anderer Bertelsmann-Spezialisten, beispielsweise Juristen. Außerdem bieten wir den Zugang zum Bertelsmann-Netzwerk mit Unternehmen wie Gruner + Jahr, Lycos, RTL Fernsehen, BMG Entertainment, BOL oder Pixelpark. So können erste Geschäftskontakte hergestellt werden. Wenn die Jungunternehmen unseren Brutkasten verlassen, haben sie bereits erste Aufträge und Kontakte in der Tasche und stehen besser da als die Konkurrenz. Das unterscheidet unser Angebot vom Wettbewerb. Bei Bedarf helfen wir auch danach bei der weiteren Finanzierung des Unternehmens oder vermitteln Kontakte zu Kapitalgebern. 

Frage: Wie viele Gründungsinteressierte haben sich bisher bei Ihnen beworben, wie viele nutzen Ihr Angebot?

Keudel: Bisher hatten wir rund 500 Anfragen. Die ersten zwei Unternehmen haben unseren Inkubator schon wieder verlassen, vier sind derzeit im Brutkasten, alle weiteren warten. 

Frage: Wie werben Sie für Ihr Angebot? Wie viel Kapazität hat Bertelsmann Valley und wie lange betreuen Sie ein Projekt?

Keudel: Bisher sind wir an Hochschulen und auf Messen aufgetreten. Es gab erste Presseveröffentlichungen. Schon dadurch gab es etlichen Zuspruch. Aber erst mal mussten wir eigene Strukturen schaffen und uns aufbauen. Gerade ist unser Team verstärkt worden auf zehn Leute. Die jeweilige Betreuungszeit hängt vom Projekt ab. 

Frage: Wie sieht Ihre Zielgruppe aus? Welche Gründungsvorhaben werden von Ihnen gefördert?

Keudel: Wir fördern Unternehmen im Medienumfeld, sehr stark neue Medien, eCommerce, Informationstechnologie, Business to Business, Business to Consumer. Die Zielgruppe ist sehr weit gefasst. Wir suchen Unternehmenspersönlichkeiten zwischen 20 und 70 Jahren. Das sind verstärkt Leute aus der Hochschule, aber auch der 40-jährige Personalchef, der sich selbstständig machen will oder auch ältere Menschen im Ruhestand, die bereits ein Unternehmen aufgebaut haben und eine neue Herausforderung suchen. 

Frage: Wen oder was haben Sie bisher unterstützt?

Keudel: Bisher haben wir beispielsweise ein Internet-Informationssystem für größere Städte, ein Projekt zur eCommerce-Förderung, ein Software-Unternehmen oder ein Projekt für Geschäftsreisende gefördert. 

Frage: Was können Sie für Hochschulangehörige, Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tun? Was müssen diese beachten?

Keudel: Wir bieten allen, also auch Studierenden und Hochschulangehörigen, eine Plattform, um ihre Ideen in Unternehmen umzusetzen. Die Bertelsmann Gruppe und ihre Unternehmen und unser Brutkasten wirken dabei als Beschleuniger. Wir bieten Kontakte und halten den Rücken frei für eine Etablierung am Markt. Die einzige Voraussetzung: Die Idee muss zu uns passen und wir müssen an den Unternehmungsgeist der Bewerbenden glauben. Grundsätzlich sollten sie beachten, dass sie sich ihren Kapitalgeber genau aussuchen - die Chemie muss stimmen und er muss mehr bieten können als nur Geld. 

Frage: Was raten Sie Studierenden? Wie sollten sie ihr Studium gestalten, um die Voraussetzungen für eine spätere Unternehmensgründung zu besitzen?

Keudel: Wichtig ist möglichst viel Praxiserfahrung. Und das Studium sollte schnell beendet werden. Wenn sie unternehmerisch tätig werden wollen, sollten sie bereits während der Studienzeit erste Erfahrungen in punkto Selbstständigkeit sammeln, beispielsweise über Angebote wie die der Bielefelder Unternehmensschmiede. Sie sollten versuchen, schon etwas selber aufzubauen.

Frage: Können Sie ein Beispiel nennen, aus Ihrer Studienzeit?

Keudel: Ich habe eine studentische Praktikumsvermittlung fürs Ausland aufgebaut, von Darmstadt aus nach Singapur, New York und Südafrika. Das ist schon länger her. 

Frage: Zurück zur Gegenwart. Welchen Nutzen hat Bertelsmann Valley von der Förderung neuer Existenzen?

Keudel: Wir bekommen für unsere geleisteten Dienste eine Beteiligung an den jungen Unternehmen und hoffen so, Anteile an erfolgreichen Zukunftsunternehmen zu halten. 

Frage: Zum Abschluss: Wie können Interessierte Kontakt zu Bertelsmann Valley aufnehmen?

Keudel: Ganz einfach über die eMail-Adresse "contact@bvalley.de". Erste Informationen über uns sind im Internet unter "www.bvalley.de" zu finden. 

Weitere Informationen unter www.unternehmensschmiede.de oder bei Josef Steffens unter Telefon (05 21) 106-3963.

Zurück zur Übersicht der Presseberichte