Westfalen-Blatt 

29.08.2000

EU-Projekt: Vor-Gründerzentren für Wissenschaftler

Bielefelder Modell Vorbild für Paris und Valencia

 

Von Sabine Schulze

 

Bielefeld (WB). Die "Bielefelder Unternehmensschmiede" von Universität und Fachhochschule hat Erfolg: Nicht nur, dass sie jungen Wissenschaftlern beim Schritt in die Selbständigkeit und bei der Umsetzung von Geschäftsideen verhilft, sie gilt zudem als vorbildlich, und ihr Konzept soll übertragen werden auf andere europäische Hochschulen. 

24 Projekte, die Modelllösungen für die Gründung innovativer Unternehmen darstellen, unterstützt die Europäische Union für die kommenden anderthalb Jahre. Eines dieser Projekte, das mit 688 000 Euro gefördert wird, ist "USINE" (das sich aus "University start-up of International Entrepreneurs" bildet). Sein Ziel ist die Förderung von High Tech-Ausgründungen an Universitäten. Erreicht werden soll dies durch Institutionen, die Bindeglied zwischen den Hochschulen und den Technologiezentren sein sollen - durch "Vor-Gründerzentren". 

Nach diesem Konzept wird in Bielefeld seit September 19997 gearbeitet. Fachleute der europäischen Kooperationspartner im Usine-Projekt (als "Leuchtturmprojekt" ausgezeichnet) tagen daher derzeit in Bielefeld, um zu diskutieren, wie das Bielefelder Modell auf die Polytechnischen Hochschulen in Paris und Valencia übertragen werden kann. Mit im Boot sind zudem die schottische Strathclyde Universität, Navarra (Spanien), Warschau und Haifa. EuroConsult, an der Universität Bonn angesiedelt, koordiniert das Projekt. 

"An der Idee liegt es selten, wenn eine Unternehmensgründung scheitert. Viel häufiger spielt eine Rolle, wie gut ein Geschäftsplan durchdacht war, wie er umgesetzt wird", betont Dr. Gerd Wixforth von der Initiative für Beschäftigungsförderung. Das aber ist etwas, was selten an den Hochschulen gelehrt wird. In Bielefeld aber haben Existenzgründer aus dem Hochschulebereich die Möglichkeit, Wirtschaftserfahrung zu sammeln, risikolos unter dem Dach der hochschulnahen IIT GmbH (Institut für Innovationstransfer) ein bis drei Jahre lang ihr Produkt oder ihre Idee - häufig eine Dienstleistung im High Tech-Bereich - mit einem Profitcenter an den Markt zu bringen, einen Testlauf zu starten. "in dieser Phase werden sie beraten, können an Seminaren teilnehmen. Und danach erst  müssen sie entscheiden, ob eine Unternehmensgründung erfolgt", erklärt Dr. Burckhard Kaddatz, Transferbeauftragter der Universität. Diese Neugründungen sollen Know How nutzbar machen, ebenso aber regional Arbeitsplätze schaffen. "Wir wollen die Netzwerke aber ausweiten, damit High Tech-Produkte auch international vermarktet werden können." 

"Usine", so Dr. Lieselotte Krickau-Richter von EuroConsult, soll die Idee von der Notwendigkeit von Forschungsmanagement und -vermarktung "in den Köpfen der Hochschulverwaltungen etabilieren". Zugleich wollen die "Drahtzieher" des Projektes ein Netzwerk von europäischen Kapitalgebern knüpfen, um Geschäftsideen auch finanzierbar zu machen. "Sonst werden sie wieder in den USA umgesetzt", meint Krickau-Richter. 

Der Wunsch von Kaddatz, Wixforth und ihren Mitstreitern ist, eine Kultur des "Aufbruchs" zu wecken, Wissenschaftler zu ermutigen, den Schritt zur Existenzgründung zu wagen. Ein wenig bewegt sich schon: "Vor 20 Jahren wollten alle Professoren werden, heute gründen die Informatiker schon ihre eigene Firma, bevor sie das Diplom in der Tasche haben", schmunzelt Uni-Rektor Prof. Dr. Gert Rickheit. Allerdings ist es nach einer Umfrage so, dass 60 Prozent aller deutschen Wirtschafts- und Jurastudenten eine Einstellung im öffentlichen Dienst anstreben. In den USA hingegen wollen 70 Prozent der leistungsstarken Studierenden eine Firma gründen.

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