Bielefelder Universitätszeitung, Nr. 208/2001, S. 50

27.11.2001

Interview mit Rechtsanwalt Michael Ketzinger 

Marken sind wertvoll für (Jung-)Unternehmen

Von Martina Bauer

 

Die Universität Bielefeld führt im Wintersemester 2001/02 mit der Fachhochschule (FH) Bielefeld, der FH Lippe sowie weiteren Partnern eine Veranstaltungsreihe unter dem Motto "Patent- und Verwertungstage" durch. Diese wird vom Bundesministerium für Forschung und Technologie gefördert. Zu den Referenten gehört der Bielefelder Rechtsanwalt Michael Ketzinger. Der Sozius der Rechtsanwaltskanzlei Seliger & Bothe in Bielefeld arbeitet seit 1997 schwerpunktmäßig in den Bereichen Markenrecht, Urheberrecht, Gebrauchs- und Geschmacksmusterrecht, Wettbewerbsrecht sowie EDV- und Internetrecht. In diesem Interview fasst der Anwalt, der sein Jurastudium an der Universität Bielefeld absolvierte, Fakten und Tipps zusammen. 

? Warum sind Schutzrechte für Marken und Produkte so wichtig, wenn ich mich beispielsweise gerade erst selbstständig gemacht habe, meine Erfindung noch ganz unbekannt ist und ich damit noch gar kein Geld verdienen kann?

Ketzinger: Mit einer etablierten Marke wird häufig das Unternehmen identifiziert. Eine Marke hat einen Verkehrswert. Früher war sie an ein Unternehmen gebunden, heute kann sie verkauft oder lizenziert werden. Der Schutz der eigenen Idee ist auch für jüngere Unternehmen wichtig und kann auch in finanzieller Hinsicht interessant sein. Sobald es sich um Produkte und / oder Dienstleistungen handelt, sollten die Chancen der Vermarktung eingeschätzt und sodann die Notwendigkeit eines effektiven Schutzes überprüft werden. Das Ergebnis dieser Prüfung und die Festlegung, in welcher Art und Weise das Produkt oder die Dienstleistung geschützt werden können, bedingen in der Regel auch die praktische Vorgehensweise, da es zahlreiche unterschiedliche Schutztatbestände gibt. Wichtig ist, dass auch jüngere Unternehmen durch ausreichenden Produktschutz letztlich ihren Firmenwert erhalten. Nur durch diesen Schutz können Nachahmungen und Plagiate vermieden werden. 

? Werden für die Absicherung nicht ziemliche Investitionen nötig?

Ketzinger: Die Entwicklung und der Aufbau einer Marke kann nicht unerheblich wenig Geld kosten. Das ist jedoch davon abhängig, welcher Schutztatbestand eingreift, beispielsweise Patent, Gebrauchsmuster, Geschmacksmuster und so weiter. Aber die Finanzierung lohnt häufig. 

? Woher sollen Studierende und Jungunternehmer das Kapital nehmen?

Ketzinger: Da gibt es Möglichkeiten, Kontakte herzustellen, zum Beispiel über die Bielefelder Patentschmiede oder die WEGE. Mit Hilfe von Fördermitteln oder Investoren kann man an etwas Startkapital herankommen. 

? Was kostet die Anmeldung einer Marke?

Ketzinger: Eine nationale Marke kostet ungefähr zwischen 1.500 und 2.000 D-Mark. Weiterhin besteht die Möglichkeit, eine so genannte Gemeinschaftsmarke zu beantragen, womit mit einer einzigen Eintragung Schutz für die Länder der EU erlangt werden kann. Die Kosten dafür liegen ungefähr zwischen 5.000 und 6.000 D-Mark. Zudem bestehen verschiedene internationale Abkommen, die es ermöglichen, mit beispielsweise einer deutschen Marke als Basismarke Schutz in verschiedenen Ländern zu erlangen. Vorraussetzung dafür ist häufig, dass ein so genannter ständiger Vertreter in dem jeweiligen Land präsent ist. Entsprechen arbeiten wir in vielen Ländern mit Kollegen vor Ort zusammen.

Die Fragen stellte Martina Bauer im Auftrag der Patentschmiede für die Bielefelder Hochschulen, die an der Transferstelle der Universität Bielefeld angesiedelt ist. Weitere Informationen zum Thema Marken- und Produktschutz sowie Förderprogramme des Landes Nordrhein-Westfalen bei Anette Traude unter Telefon (05 21) 106-39 64 oder bei dem Rechtsanwalt Michael Ketzinger unter Telefon (05 21) 96 78 30.

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