Westfalen-Blatt 

31.01.2002

Uni-Transferstelle und REGE helfen Gründern

Vom Hörsaal direkt in den Chefsessel

 

Von Sabine Schulze

Bielefeld (sas). Als Konkurrenten verstehen sich Jürgen Kucharz und Lutz Karsten nicht. Dabei beraten sie eine Klientel mit identischen Wünschen: Sowohl Kucharz, Diplom-Kaufmann und Gründerberater der Transferstelle der Universität Bielefeld und Karsten, in derselben Funktion bei der REGE, der Gemeinnützigen Regionalen Personalentwicklungsgesellschaft angestellt, helfen angehenden Unternehmern aufs Pferd. Dabei verhilft Kucharz Studierenden, Absolventen oder Wissenschaftlern der Hochschule zum Sprung aus dem Hörsaal in den Chefsessel, während Karsten jedermann berät. Zunehmend möchte man sich ergänzen.

"Wir beraten, erstellen Geschäftsplane, verhelfen zum Startkapital aus verschiedenen Töpfen oder sorgen für die Existenzsicherung in der Startphase", listet Kucharz auf. Wenn Programme, die eigens für Hochschulabsolventen ins Leben gerufen wurden, nicht greifen, weiß Kucharz vermutlich einen Ausweg und verweist auf Landesprogramme, die allen offen stehen. Neu für Studierende ist "PFAU", das Programm zur finanziellen Absicherung von Unternehmensgründern aus Hochschulen": Bis zu zwei Jahren wird der Jungunternehmer mit einer halben Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Lehre und Forschung gefördert, behält zudem Zugang zu Hochschulressourcen. Außerdem gibt's ein "Beratungsscheckheft" im Wert von 10 000 Mark. 

Neben der individuellen Beratung bietet die Transferstelle der Universität noch mehr: Regelmäßig alle zwei bis drei Wochen finden Veranstaltungen statt, in denen Fachleute zu eigentlich allen Themen, die mit Existenzgründung zu tun haben oder auf junge Gründer zukommen können, referieren. So manche böse Falle kann da vermieden werden. "Denn Existenzgründung ist ja nicht gerade Lehrstoff für Biologen oder Historiker, die vielleicht eine Geschäftsidee haben", sagt Lydia Ortkraß, die die Vorlesungsreihe betreut. Diese Veranstaltungen, betont Kucharz, sind öffentlich und damit auch ein Angebot für die "Kunden" von Lutz Karsten.

Der, bei der REGE in der Arbeitsmarktintegration tätig, erstellt keine Geschäftspläne und verweist auch nicht an Unternehmensberater, sondern überprüft Geschäftsideen und Konzepte, bevor er ein womöglich positives Urteil abgibt und Sozial- und Versorgungsamt dann darüber entscheiden, ob ein Bewerber gefördert wird. "Voraussetzung ist, dass der angehende Selbständige Sozialhilfe bezieht, keine Leistungen vom Arbeitsamt oder aus anderen Förderprogrammen erhält, den Wohnsitz in Bielefeld hat und eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis vorweisen kann". Denn die Klientel von Karsten umfasst Hochschulabsolventen ebenso wie ausländische Mitbürger. Benötigen Erstere Hilfe bei der Formulierung des Geschäftsplanes, verweist er allerdings gerne an die Transferstelle der Universität.

Für die Dauer eines Jahres wird der Existenzgründer bei positivem Bescheid mit 2000 Mark monatlich unterstützt. "800 Mark kommen vom Land, 1200 von der Kommune", erklärt Karsten. Dieser Betrag werde refinanziert über die eingesparte Sozialhilfe, die vom Moment der Förderung an wegfällt.

Sowohl Kucharz als auch Karsten bieten zudem "Gründungsbegleitung" an, stehen auch nach dem Schritt in die Selbständigkeit noch mit Rat und Tat zur Seite. Kucharz ist telefonisch unter 106-3962 zu erreichen, Karsten unter 9622-333.

 

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