Westfälische Nachrichten

22.04.2004

Wenn die Idee gut ist, ist sie ganz schnell weg
Universitäten-Netzwerk will Realisierung von Patenten 

Münster. „Wir haben in Deutschland eine klaren Rückstand bei den angemeldeten Patenten auch gegenüber anderen europäischen Ländern“, erklärt Dr. Wilhelm Bauhus. Der Leiter der Arbeitsstelle Forschungstransfer der Uni Münster weiß, dass das Thema lange Zeit brach gelegen hat. Deshalb kommt nur ein Bruchteil aller angemeldeten Ideen aus den Hochschulen. Das soll sich nun aber ändern. Gestern startete die Uni Münster im Rahmen der „Patentoffensive Westfalen-Ruhr (POWeR)“ in Zusammenarbeit mit den Transferstellen der Universitäten Bielefeld, Dortmund, Münster und Paderborn das Projekt „Ideen-Mining“.

Es gibt viele tolle Ideen unter den Studenten aller Fachbereiche“, erläuterte Bauhus den Hintergrund der neuen Patent-Offensive. Es müssten allerdings die Rahmenbedingungen optimiert werden, damit solche Patente auch realisiert werden können. „Wenn die Idee gut ist, ist sie schneller weg als man gucken kann“, fügte Dr. Frank Schröder-Oeynhausen, Geschäftsführer des Interdisziplinären Zentrums für Nano-Technologie, Centec, hinzu. Die Frage müsse daher stets lauten: “Wem zeige ich meine Idee oder meine Erfindung.“

„Ideen-Mining setzt hier an. Es will eine „Gründungs- und Patentkultur bei jungen Studierenden, den betreuenden Professoren und Auszubildenden in Firmen wecken. Ziele sind dabei unter anderem die frühzeitige Nutzung, das Erkennen und Bewerten der Technologie in den beteiligten Unternehmen sowie für die Studierenden ein hohes Maß an Sozialkompetenz, indem sie ihre Ideen in der Praxis testen und diskutieren.

Die Patent-Offensive der vier Universitäten, die seit 2003 besteht, reagiert damit auf die Tatsache, dass die finanziellen Ressourcen für die Hochschulen immer stärker zurück gehen. “Wir haben keine Chance, auf staatliche Förderung zu warten“, erklärt Dr. Burckhard Kaddatz, Leiter der Transferstelle an der Uni Bielefeld. „Ideen-Mining“ wird von der Stiftung Westfalen-Initiative mit 90.000 Euro gefördert, den gleichen Teil steuerten die vier beteiligten Universitäten bei, weitere 60.000 Euro stammen vom NRW-Ministerium für Bildung und Forschung.

Zum Start von „Ideen-Mining“ präsentiert das POWeR-Konsortium zugleich den Band 1 „Modernes Patentbewusstsein in Hochschulen“ (Waxmann-Verlag). „Hier kommen Wissenschaftler zu Wort“, erläutert Wilhelm Bauhus, “wir geben keine rosaroten Zukunftsbeschreibungen.“ Die beiden nächsten Bände sind bereits konkret geplant. 

Von Matthias Gisselbach

 

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