Neue Westfälische

16.06.2004

Diagnose: Karpfen-Herpes
Wie zwei Biologen an der Universität Bielefeld ein Start-up-Unternehmen gründen

Von Elmar Kramer

Bielefeld. Wenn der Karpfen Herpes hat, ist das gut für Jana Beikert und Michael Ulbrich. Die beiden Biologen haben jetzt aus der Universität Bielefeld heraus ein Startup-Unternehmen gegründet. Während sie weiter forschen, bieten sie mit Tauros diagnostik  veterinärmedizinische Analysen für Halter von Tieren und Züchter an.

Schon lange forschen die Diplom-Biologin Jana Beikert (34) und der promovierte Biologe Michael Ulbrich (39) als Mitarbeiter des Lehrstuhls für Entwicklungsbiologie und molekulare Pathologie. Ihre Idee, nun Dienstleistungen anzubieten, wird vom nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium gefördert. Das Unternehmen erhält Unterstützung im PFAU-Programm (Programm zur finanziellen Absicherung von Unternehmensgründern aus der Hochschule). Bundesweit bieten die Biologen der Universität Bielefeld molekularbiologische Diagnostik, Geschlechtsbestimmungen und eine Hygieneüberwachung für verschiedene Tierarten an, hauptsächlich für Fische, Vögel und Nager. 

Und da kommt der Karpfen ins Spiel. In vielen Beständen haben Züchter mit einem Virus zu tun, welches Karpfen befällt. Das Koi-Herpes-Virus ist ein relativ unerforschtes Virus, das zu massiven Einbrüchen in Karpfen- und Koi-Beständen führt. Zum Teil sterben 90 Prozent der Fische. Der Nachweis der Krankheit soll ein Standbein des jungen Unternehmens sein. „Hier sehen wir gute Marktchancen. Zum einen wächst die Zahl der Koi-Liebhaber in Deutschland ständig. Zum anderen ist bei dem bedrohlichen Koi-Herpes-Virus der Bedarf an zuverlässigen Diagnoseverfahren noch hoch“, erklärt Michael Ulbrich.

Außerdem bieten die Jungunternehmer Geschlechtsbestimmung und Untersuchung von Infektionserkrankungen bei Vögeln an. Ein weiteres Tätigkeitsfeld ist die Hygieneüberwachung für wissenschaftliche Institute ,Universitäten und Unternehmen. Tauros diagnostik ist als eigenständiger Geschäftsbereich im Institut für Innovationstransfer GmbH (IIT) gegründet worden. So kann es unabhängig und selbständig agieren.

In der Infektionsdiagnostik bei Fischen streben Ulbrich und Beikert ein Projekt mit Israel an. Dabei arbeiten sie mit der Universität von Jerusalem und der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere zusammen, gefördert vom Bundesforschungsministerium.

Innerhalb der nächsten zwei Jahre sei die Ausgliederung des Unternehmens als eigenständige GmbH aus der Uni Bielefeld geplant, sagt Jana Beikert. Der Region Bielefeld wollen die beiden treu bleiben, dem Karpfen auch.

 

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