Westfalen-Blatt

16.06.2004

Von der Wissenschaft in die Marktwirtschaft

Bielefelder Biologen gründen Diagnose-Unternehmen

 

Von Uta Jostwerner

Bielefeld (WB). Es ist der Horror eines jeden Karpfenzüchters, wenn die Brut vom Koi-Herpes-Virus befallen wird und ein Massensterben hervorruft. Der „Wertverlust geht in die Hunderttausende“ weiß Dr. Michael Ulbrich.

Der Biologe der Universität Bielefeld und seine Kollegin Jana Beikert kennen die Probleme von Tierzüchtern und haben sich  mit der Grünung eines molekularbiologischen Diagnose-Unternehmens auf veterinärmedizinische Analysen spezialisiert. „Tauros Diagnostik“, so der Name des aus der Universität erwachsenen Start-Up- Unternehmens, bietet bundesweit molekularbiologische Diagnostiken, Geschlechtsbestimmungen und eine Hygieneüberwachung für verschiedenen Tierarten an, hauptsächlich für Fische, Vögel und Nager. 

Die beiden Wissenschaftler forschen als Mitarbeiter des Lehrstuhls für Entwicklungsbiologie und molekulare Pathologie der Fakultät für Biologie seit Jahren auf dem Gebiet der Molekularbiologie. Ihr Wissen haben sie jetzt zu einer marktreifen Dienstleistung entwickelt, die Tierhändlern und Züchtern sowie Privatkunden laut Aussagen der Unternehmensgründer eine schnelle, kostengünstige und effiziente Diagnose möglicher Erkrankungen bietet. 

Zu einem Standbein des jungen Unternehmens soll sich der Nachweis von Infektionskrankheiten bei Zucht- und Zierkarpfen, insbesondere beim Koi, entwickeln. „Hier sehen wir gute Marktchancen. Zum einen wächst die Zahl der Koi-Liebhaber in Deutschland  ständig. Zum anderen ist vor allem bei dem bedrohlichen Koi-Herpes-Virus der Bedarf an zuverlässigen Diagnose-Verfahren noch hoch“, so die Wissenschaftler. Anders als beim herkömmlichen Antikörpertest bietet die von Ulbrich und Beikert angewandte DNA-Analyse schnellere Ergebnisse. Dem Züchter bliebe bei einem positiven Befund somit mehr Zeit, entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten, verweisen die beiden Biologen auf die Vorteile ihrer PCR-Technologie (Polymerase-Chain-Reaction) genannten Methode. 

Das Anfang des Jahres gegründete Unternehmen bietet darüber hinaus die Geschlechtsbestimmung bei Vögeln an. Dazu bedarf es lediglich einer frisch gerupften Feder, um DNA zu isolieren und das Geschlecht zu bestimmen.

Ein weiteres Tätigkeitsfeld ist die Hygieneüberwachung für wissenschaftliche Institute und Universitäten, aber auch für privatwirtschaftlich arbeitende Unternehmen.  

Die Hochschulanbindung, so die Unternehmensgründer, biete deutliche Vorteile. Zum einen könnten Sie selbst weiter auf dem Gebiet der Diagnostik forschen und ihre Erkenntnisse für die stetige Optimierung der vorhandenen Dienstleistung und Entwicklung neuer Angebote nutzen. Zu, anderen hätten sie durch die wissenschaftliche Anbindung stets einen schnellen Zugriff auf neue Forschungsergebnisse anderer Einrichtungen.  

Des weiteren gibt es für Jungunternehmer konkrete Unterstützung in Sachen Existenzgründung. „Tauros Diagnostik“ ist als eigenständiger Geschäftsbereich im Institut für Innovationstransfer (IIT). So kann es selbständig am Markt operieren, gleichzeitig aber auch die wissenschaftlichen Arbeitsbereiche nutzen und auf das Know-how des IIT zurückgreifen.

 

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