Bielefelder Universität Zeitung 217/2004

28.07.2004

Existenzgründer profitieren von der Anbindung an die Hochschule
Wissenschaftliche Nähe bringt Vorteile im Wettbewerb

(BUZ) Der Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft gewinnt an Bedeutung. Die Zahl der Start-ups aus den Universitäten heraus soll noch gesteigert werden. Existenzgründungen mit Wurzeln in der Wissenschaft gibt es auch an der Universität Bielefeld. Eine davon ist tauros diagnostik.

Die "Bielefelder Universitätszeitung" sprach mit den Gründern Dr. Jana Beikert und Dr. Michael Ulbrich über die Besonderheiten ihres Start-ups.

? Warum haben Sie sich zu einer Existenzgründung entschieden?

Jana Beikert: Wir haben jahrelange Forschungserfahrung in verschiedenen Disziplinen der molekularen Biomedizin und der DNA-Diagnostik. Jetzt können wir auf der Grundlage moderner Technologien kundenorientierte veterinärmedizinische Analysen anbieten. Der Bedarf ist da.

? Bringt Ihnen die Hochschulanbindung Vorteile?

Michael Ulbrich: Ja, selbstverständlich. Zum einen forschen wir selber weiter auf dem Gebiet der Diagnostik. Unsere Erkenntnisse nutzen wir für eine stetige Optimierung der vorhandenen Dienstleistungen und zur Entwicklung neuer Angebote. Zum anderen haben wir durch die wissenschaftliche Anbindung immer schnellen Zugriff auf neue Forschungsergebnisse anderer Einrichtungen. Wir sind zuversichtlich, dass uns dadurch künftig Wettbewerbsvorteile erwachsen.

? Schauen Sie auch über den Tellerrand der eigenen Hochschule hinaus?

Jana Beikert: Ja, wir sind ausdrücklich an Kooperationen interessiert, sogar über Deutschland hinaus. Durch das Zusammenwirken mit anderen Einrichtungen ergeben sich erhebliche Synergieeffekte.

? Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Michael Ulbrich: Im Bereich der Infektionsdiagnostik bei Fischen streben wir zur Zeit ein gemeinsames Projekt mit einer israelischen Universität an. Dabei arbeiten wir mit dem Department of Pathology der Hebrew University von Jerusalem und der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere auf der Insel Riems zusammen. Das Bundesforschungsministerium engagiert sich für eine stärkere Zusammenarbeit in der Biotechnologie zwischen Israel und Deutschland und stellt dafür Mittel zur Verfügung.

Jana Beikert: Wir sind aber auch ortsnah vernetzt, zum Beispiel durch die Mitgliedschaft im Förderverein "Bio-Tech-Region Ostwestfalen-Lippe". Dieser Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, die Region Ostwestfalen-Lippe im Bereich der Biotechnologie als attraktiven Wissenschaftsstandort weiterzuentwickeln. Mit diesem Ziel arbeiten die hier ansässigen Organisationen, private und öffentliche Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen sowie Einzelpersonen im Bereich der Biotechnologie zusammen.

? Gibt es aus der Universität heraus weitere Unterstützung für Jungunternehmer?

Michael Ulbrich: tauros diagnostik ist als eigenständiger Geschäftsbereich des Institut für Innovationstranfer (IIT) GmbH gegründet worden. So können wir unabhängig und selbstständig am Markt agieren. Gleichzeitig haben wir aber die Möglichkeit, die wissenschaftlichen Arbeitsbereiche und Ressourcen zu nutzen sowie auf das Know-how des IIT zurückzugreifen, zum Beispiel bei steuerlichen, personalrechtlichen und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen. Aufgabe der IIT GmbH ist es, Firmengründungen aus der Hochschule zu fördern und zu unterstützen. Gesellschafter sind die Westfälisch-Lippische Universitätsgesellschaft und die Gesellschaft zur Förderung des Forschungs- und Technologietransfers in der Universität Bielefeld (GFT).

 

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