Bielefelder Universitätszeitung 220/2005, S. 13/14

18.07.2005

Statistisches Beratungszentrum
Hilfe bei Statistik

(AM) Träge rotten sich die Seelöwen in kleinen Gruppen zusammen und lassen sich bei ihrem morgendlichen Nickerchen von Jochen Wolf nicht stören. Der Verhaltensbiologe von der Universität Bielefeld hat die Tiere sechs Monate lang auf einer Galápagos Insel beobachtet, um Daten für seine Dissertation zu sammeln. "Der Aufenthalt auf der Insel war aufregend und sehr intensiv", erinnert sich Wolf. 

Zurück in Bielefeld musste er aber feststellen, dass die Auswertung der Daten nicht minder intensiv wurde: "Obwohl das Design der Studie einwandfrei war, bin ich bei der statistischen Auswertung schnell an meine Grenzen gestoßen." Die Zahlen waren ungewöhnlich verteilt. Um sie zu interpretieren, war ein aufwändiges statistisches Verfahren nötig, das Wolf noch nicht angewendet hatte. Auf der Suche nach Hilfe wandte er sich schließlich an Professor Göran Kauermann vom Statistischen Beratungszentrum (STatBeCe) der Universität Bielefeld: "Professor Kauermann hat das Problem schnell erfasst und sich angeboten, die Analyse und statistische Interpretation der Daten zu übernehmen." Inzwischen hat Wolf den ersten Aufsatz für seine Dissertation bei einer Fachzeitschrift eingereicht. "Es bestehen gute Aussichten, dass der Artikel veröffentlicht wird", erklärt er erleichtert.

Der Verhaltensbiologe ist damit einer von über vierzig zufriedenen Kunden, denen das Statistische Beratungszentrum seit seiner Gründung vor zwei Jahren geholfen hat. Kauermann ist Professor für Statistik und Initiator des Zentrums und Professor für Statistik an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften. Er leitet das Kompetenzzentrum zusammen mit dem Inhaber des Lehrstuhls für Epidemiologie der Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Prof. Dr. Oliver Razum. "Mit unserem Beratungsangebot wollen wir alle experimentell oder quantitativ empirisch arbeitenden Wissenschaftler ansprechen", beschreibt Kauermann die Zielgruppe des StatBeCes. In erster Linie möchte er Forschungsvorhaben präzisieren, eingrenzen und strukturieren. "Wir wollen helfen, Fehler zu vermeiden." Aber auch bei der Datenerhebung und Interpretation wird gerne Unterstützung gewährt. Das Faszinierende an seiner Arbeit im StatBeCe sei die Bandbreite der Probleme, mit denen er konfrontiert werde: "Die Übersetzung von Fragen aller Art aus dem 'realen Leben' in die Sprache der Statistik und zurück hat mich schon immer interessiert."

Die Idee für das StatBeCe brachte Kauermann aus seiner Zeit als Assistenzprofessor an der Ludwig-Maximilians Universität (LMU) München mit. Das Institut für Statistik der LMU rief schon vor acht Jahren ein "Statistisches Beratungslabor (STABLAB)" ins Leben. Die Dienstleistungen des hiesigen StatBeCe werden für Privatkunden wie auch universitätsintern für Forschung und Lehre genutzt. Für die Lehre ist das StatBeCe ebenfalls eine wichtige Ressource: Studierende der Wirtschaftswissenschaften lernen ihre statistischen Lektionen dadurch, dass sie ein Beratungsprojekt durchführen. "Ausschlaggebend für die anschließende Benotung ist die Kundenzufriedenheit", erklärt Kauermann sein Konzept. "Das StatBeCe ist eine interaktive und interdisziplinäre sehr forschungsnahe Institution, in der Wirtschaft, Wissenschaft und Universität ineinander übergehen."

Wie forschungsnah das StatBeCe arbeitet, konnte Guido Nottbusch von der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft feststellen: Zusammen mit Professor Dr. Rüdiger Weingarten wollte er empirische Forschungsergebnisse in einer linguistischen Zeitschrift veröffentlichen. Diese aber schickte den Artikel zurück und bat um die Überarbeitung des statistischen Abschnitts. Nach zwei Beratungsterminen im StatBeCe wurde der Aufsatz angenommen. "Professor Kauermann hat sich sehr kompetent in das Problem hineingedacht und uns eine Lösung vorgeschlagen, die wir auch umgesetzt haben" schildert Nottbusch den Fall. "Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Es ist wirklich hervorragend, dass es dieses Angebot gibt."

Weitere Informationen finden Sie unter:
http://www.wiwi.uni-bielefeld.de/~statbece/

 

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