Markt &Wirtschaft

Westfalen,  12/2005


Interview mit Dr. Burckhard Kaddatz 
"Netzwerke und Kooperation sind eine intelligente Antwort auf die gewaltigen Herausforderungen"

Am 20. und 21. Januar 2006 findet zum dritten Mal die net's work im Messezentrum Bad Salzuflen statt. Veranstalter sind die Universität Bielefeld, die Bertelsmann Stiftung und die Messegesellschaft SURVEY. Dr. Burckhard Kaddatz, Koordinator der net's work, über die Bedeutung von Unternehmensnetzwerken.

m&w: Kann man sagen, dass das "Networking" eine Erfindung der letzten Jahre ist? Warum ist gerade jetzt das Knüpfen von Unternehmensnetzwerken besonders attraktiv?

Dr. Kaddatz: Netzwerke und Kooperationen sind eine intelligente Antwort auf die gewaltigen Herausforderungen, vor die sich viele mittelständische Unternehmen gestellt sehen. Der Netzwerk-Gedanke ist eigentlich in den USA entstanden und findet seit den 90er Jahren auch in Europa und bei uns in Deutschland immer mehr Nachfrage. Netzwerke und Kooperationen sind ja mehr als das unverbindliche persönliche Networking . Da wo die Herausforderungen für das Einzelunternehmen immer größer werden, werden auch Netzwerke als Zukunftslösungen immer attraktiver.

m&w: Welchen praktischen Nutzen können Netzwerke für kleine und mittelständische Unternehmen leisten?

Dr. Kaddatz: Es gibt mehrere Nutzeffekte, die für ein Unternehmen in unterschiedlicher Weise wertvoll sein können: Die Wertschöpfung steigern, Potentiale wie z.B. Produktionsanlagen gemeinsam und flexibel nutzen, Kapazitäten auslasten, Personalressourcen flexibilisieren, sich auf Kernkompetenzen konzentrieren können und Umsatzsteigerungen von 20 % und mehr sind drin.

m&w: Über alle Vorteile hinweg sollte man auch mögliche Nachteile nicht außer Acht lassen. Wie kann man einen Misserfolg von vornherein ausschalten?

Dr. Kaddatz: Es wäre natürlich toll wenn man wirklich Misserfolge garantiert ausschalten könnte. Es gibt leider kein Patentrezept, aber es gibt doch wertvolle Kenntnisse und Verhaltensweisen, die sich anwenden lassen. So werden wir auf der net's work 2006 beispielsweise sehr interessante Dinge hören darüber, wie man Kooperationspartner richtig beurteilt, oder darüber, welche Faktoren für ein erfolgreiches Netzwerk-Management ausschlaggebend sind. Ein großer Teil der Zurückhaltung bei mittelständischen Unternehmen ist gerade darin begründet, dass Angst und Unsicherheit darüber bestehen, welche Auswirkungen es haben wird, wenn man seine bis dato gewohnte "Selbständigkeit" scheinbar verliert.

m&w: Gibt es Anhaltspunkte, wann sich ein Unternehmen mit dem Gedanken beschäftigen sollte, im Netzwerk zu arbeiten?

Dr. Kaddatz: Objektiv messbar ist so ein Zeitpunkt wahrscheinlich nicht. Vor allem sollte man nicht warten, bis die Lage so schwierig geworden ist, dass das Kind sozusagen schon "in den Brunnen" gefallen ist. Je eher man sich mit dem Gedanken an Kooperation und Netzwerke beschäftigt, und je eher man sich Informationen, Kenntnisse, einen "Background" sozusagen sozusagen besorgt, desto besser sind die Chancen, den Aufbau solcher Beziehungen selbst gestalten zu können. Um sich solche Informationen wirklich unverbindlich zu beschaffen und vielleicht mit anderen zu sprechen, die ähnlich denken, bietet sich die net's work als Plattform ja gerade an.

m&w: An wen richtet sich die net's work hinsichtlich der Aussteller und Besucher?

Dr. Kaddatz: bei den Ausstellern gibt es zwei Gruppen: Da sind zunächst die Netzwerke, die den Image-Effekt einer solchen Präsentation nutzen und zugleich, wie wir in den Vorjahren gesehen haben, sehr intensiv die Möglichkeit wahrnehmen, mit anderen Netzwerken in den Erfahrungsaustausch einzutreten. Und zum Zweiten kommen Unternehmen als Aussteller, die Dienstleistungen "rund ums Netzwerk" erbringen – von der IT-Lösung über Beratungsansätze für modernes Netzwerkmanagement bis zu Fachverlagen; für sie alle ist die net's work eine ideale Bühne und ein prima "Entwicklungslabor". Die Besucher kommen vor allem aus Unternehmen, der Wissenschaft und der Wirtschaftsförderung. Bei den Unternehmen geht es quer durch alle Branchen. Für die Wissenschaftler ist die net's work auch eine Möglichkeit, die Interdisziplinarität dieses Themas zu erleben: Von der Betriebswirtschaft über die Organisations- und Innovationsforschung bis zur Gesundheitswissenschaft oder zur Regionalforschung. Und für die Wirtschaftsförderer ist natürlich die Regionalentwicklung, die Cluster-Bildung als Basis von und für Vernetzung hochinteressant.

m&w: Welche Themenfelder und Schwerpunkte sind im Vortragsprogramm vorgesehen?

Dr. Kaddatz: Die net's work 2006 bietet – und das ist wirklich das Besondere an dieser Veranstaltung – einen ganzheitlichen Überblick über die aktuellsten Fragen, Praxislösungen und Forschungsergebnisse. Das beginnt bei der Frage, wie und ob man einem Kooperationspartner trauen kann oder sollte, zieht sich weiter über die Erfolgsfaktoren für Netzwerkmanagement bis hin zu Fragen der Sicherheit und der Stabilisierung von Kooperationen. Als besondere Schwerpunkte haben wir 2006 Netzwerkbildungen in neuen Segmenten wie der Gesundheitswirtschaft und im Bereich der Versicherungsunternehmen und Finanzdienstleister. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Internationalisierung für mittelständische Unternehmen, vor allem in Richtung Osteuropa. Ganz besonders freuen wir uns, dass das gesamte Automotive-Thema von kompetenten Referenten vertreten wird, und dass das wahrscheinlich wichtigste Netzwerk in diesem Bereich "NoAE (Network of Automotive Excellence) die net's work für einen eigenen Workshop nutzen wird. Also: Wer die Trends sucht, ist auf der net's work richtig.

Alle weiteren Informationen unter www.netswork.info 
oder bei der Transferstelle der Universität Bielefeld, Tel: 0521/106-3950.

 

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