Westfalen-Blatt

25./26.03.2006


 

DNA-Plasmide aus Bielefeld helfen gegen Krankheiten

30 Unternehmen in OWL machen Biotechnologie zu Geld

 

Von Dietmar Kemper

Bielefeld (WB). Biotechnologie stellt Antikörper gegen Krankheiten her, entlarvt Produktpiraten, überführt Verbrecher anhand ihres genetischen Fingerabdrucks und liefert darüber hinaus verblüffende Ergebnisse. „Wussten Sie, dass Fischstäbchen aus bis zu 50 Fischsorten bestehen?“ fragte Peter Liepmann von der Universität Paderborn Unternehmer im Technologiezentrum Bielefeld.

Mehr als die Zusammensetzung von Fischstäbchen interessierte die Zuhörer das wirtschaftliche Potenzial der Biotechnologie. „Das ist riesengroß“, betonte Ökonom Liepmann. In Ostwestfalen-Lippe gibt es knapp 30 Biotechnologie-Unternehmen mit 500 Mitarbeiterin. Sie profitieren von der hochkarätigen Forschung an der Universität Bielefeld (Bioinformatik und Genomforschung). Mit BibiTec, Innovatis und Plasmid Factory gingen drei Firmen direkt aus der Hochschule hervor.

Plasmide sind ringförmige Transporter für genetische Information; ein Plasmid ist nur ein Tausendstel Millimeter groß. Die Teilchen dienen medizinischen Zwecken, zum Beispiel der Gen-Therapie und der Weiterentwicklung von Impfstoffen. „Unsere Kunden sind Forscher in Medizin und Pharmazie“, sagte Firmenchef Martin Schleef. In Tiefkühlpäckchen wird die Plasmid-DANN weltweit verschickt. Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen mit neun Leuten hält fünf Standard-Plasmide bereit und liefert binnen 48 Stunden.

Nicht nur in der Medizin oder bei der Herstellung umweltfreundlicher Kraftstoffe wie Biodiesel bietet die Biotechnologie Potenzial. Die Identifizierung von Produkten und Stoffen sei „ein Markt“, unterstrich Martin Schleef. Dank Biotechnologie könnten Metallteile über die Wachsschicht versiegelt werden. Das helfe Flugzeugherstellern dabei, Originale von billigen Fälschungen zu unterscheiden.

Längst werde Biotechnologie eingesetzt, ohne dass es die Öffentlichkeit so recht wahrnehme, berichtete Peter Liepmann und nannte die Herstellung von Bier und Joghurt als Beispiel. Allerdings halte sich die Lebensmittelindustrie noch zurück, weil sie angesichts der Vorbehalte in der Bevölkerung etwa gegen gen-manipuliertes Getreide einen „Imageschaden“ befürchtet. Die Einsatzmöglichkeiten biotechnologischer Verfahren seien groß und reichten vom optimalen Latex-Anteil im Papier, damit es nicht klebt, über das Erkennen kranker Zierfische mittels DNA-Analyse bis zu vollbiologischen Kleinkläranlagen.

Bei seiner Befragung erfuhr Liepmann, daß Unternehmer Biotech-Verfahren häufiger einsetzen, wenn sie billiger wären, und dass sie das Fehlen einer Medizinischen Hochschule in OWL als Anlaufstelle für pharmazeutische Forschung bedauern. Davon abgesehen erwarten die Firmen „Deutliche Umsatzzuwächse“, ermittelte der Verein Bio-Tech-Region OWL in einer Studie. Die Branche lobte das „exzellente Fachkräfteangebot vor Ort“.

 

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