VDI nachrichten, Düsseldorf

16.03.2007


Hochschulen heben Patentschätze
Technologietransfer: In Westfalen sollen auf der Basis bislang ungenutzter Schutzrechte neue Firmen entstehen

Die Bilanz ist unbefriedigend: Zwar steigt die Zahl der Patentanmeldungen von Hochschulen seit Novellierung des Arbeitnehmererfindungsgesetzes kontinuierlich an, zur Unternehmensgründungen führen sie aber nur selten. Die Patentoffensive Westfalen Ruhr (POWeR), eine von vier Universitäten der Region ins Leben gerufene Initiative, will hier neue Impulse setzen.

Der Startschuss fällt am 1. April. Dann soll das Gemeinschaftsprojekt „Patente Gründungen“ der Universitäten Bielefeld, Paderborn, Münster und Dortmund seine Arbeit aufnehmen. Ziel ist es, aus Ideen verstärkt Unternehmen zu machen.

Geplant sind mehrere Teilprojekte. So soll der wissenschaftliche Mittelbau in ausgewählten Technologiefeldern durch hochschulübergreifende Kompaktkurse für das Thema sensibilisiert werden. Den Doktoranden, Habilitanden und sonstigen wissenschaftlichen Mitarbeitern werden in Trainingsmodulen Schlüsselkompetenzen näher gebracht. Dazu zählt beispielsweise betriebswirtschaftliches oder juristische Know-how.

Außerdem soll auf der Basis bestehender Hochschulschutzrechte systematisch nach Ausgründungsmöglichkeiten gesucht werden. In „Ideenmining-Think-Tanks“ und branchenspezifischen „Ideenwerkstätten“ wird dieser Vorgang institutionalisiert.

Auf hochschuleigene Schutzrechte allein will man sich aber bei der Suche nach wirtschaftlich tragfähiger Konzepte nicht beschränken. Auch die ungenutzten Patentschätze aus den Portfolios regional ansässiger Firmen sollen aufgespürt und für die Gründung neuer Unternehmen durch Hochschulmitarbeiter angeboten werden. Angedacht sind jährlich 24 Unternehmenspräsentationen aus denen mindestens vier nachhaltige Gründungen realisiert werden.

Ihre ersten Schritte sollen die Jungunternehmer in sogenannten Profit-Centern gehen. In diesen – mit Ausnahme von Bielefeld – noch einzurichtenden Inkubatoren werden sie u.a. in Rechts-, Steuer- und Marketingfragen beraten.

Das Gemeinschaftsprojekt „Patente Gründungen“ wird vom Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen des EXIST-Förderprogrammes mit 1,2 Mio. € unterstützt. Projektleiter ist Michael Asche. Zu seinen Aufgaben zählt nicht nur nach tragfähigen Innovationen zu suchen. Er muß auch festlegen, wer wie an potenziellen Erträgen partizipiert. „Das gemeinsame Gründen von Unternehmen durch Wirtschaft und Hochschulen ist für uns auch rechtlich etwas völlig Neues.“

Geografisch orientieren sollen sich die künftigen Hochschulgründungen an den fachlichen Schwerpunkten der vier Hochschulen. „Wir wollen Cluster bilden“, so Asche. „Aber das ist ein Ziel, kein Muss.“ Schwerpunkte der Universität Bielefeld und Münster sind die Bereiche Gesundheitswirtschaft, Biotechnologie sowie Mikro-/Nanotechnologie. In Dortmund wird die Informationstechnologie, die Mikrosystemtechnik sowie die Fertigungs- und Produktionstechnologie groß geschrieben. Paderborn hat sich spezialisiert auf die Informationstechnologie mit Fokus auf die Entwicklung von Softwaresystemen, den Maschinenbau sowie optische Technologien.

Hoffnungen, dass Gründungs-Kooperationen kurzfristig neue Einnahmequellen für die Hochschule erschließen könnten, hegt Asche nicht. „Wir wären froh, wenn wir zumindest kostendeckend arbeiten könnten. Allein die Aufrechterhaltung eines Schutzrechtes kostet in den ersten Jahren rund 25.000 € Gebühren.“

Zukunftspläne gibt es unterdessen schon reichlich. Angestrebt ist etwa der Aufbau eines regionalen Innovationsfonds, der sich aus öffentlichen und privaten Stiftungen sowie Beteiligungen aus der Wirtschaft speisen soll. Erklärtes Ausstattungsziel: 8,5 Mio. € - 1 € pro Einwohner der Region Westfalen.

Bei der Patentvermarktungsgesellschaft Provendis, exklusiver Dienstleister der 24 NRW-Hochschulen, stoßen die Gründungspläne auf Zustimmung – trotz der vermeintlichen Konkurrenzsituation. Provendis berät Wissenschaftler aus Hochschulen auf dem Weg zur Patentierung ihrer Innovationen und vermarktet ihre Patente. Unternehmen bietet die Gesellschaft exklusiven Zugang zu den professionellen schutzrechtlich gesicherten, neuen Technologien. „Unsere Maxime ist: Wir wollen in der Thematik Patente etwas bewegen. Gründungen haben hier absolute Priorität“, erklärt Provendis-Geschäftsführer Alfred Schillert. Die Möglichkeit vorhandene Patente in universitäre Gründungen einzubringen, komme auch den Bedürfnissen der regionalen Wirtschaft entgegen. „Gerade bei kleineren und mittleren Unternehmen ist häufig noch zu wenig Know-how für einen professionellen Umgang mit Patenten vorhanden“, so Schillert.
Herta Paulus/sta

 

 

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